Wenn du bereits eine Enigma2-Box (Vu+, Zgemma, GigaBlue und ähnliche) für dein eigenes Satelliten- oder Kabel-Abo betreibst, hast du schon einen vollwertigen Tuner. Das Problem: Emby spricht kein Enigma2. Headend ist ein Emby-Plugin, das beide Seiten verbindet: Es liest deinen Receiver über OpenWebif aus und stellt die Sender, die dein Receiver empfängt, als Emby-Live-TV-Sender bereit – mit Programmliste, Senderlogos und Jugendschutz.
Eines vorab ganz klar: Headend liefert keine Sender, Playlists oder irgendein IPTV-Abo. Es streamt, was dein eigener Receiver über Satellit oder Kabel empfängt, auf Hardware, die du kontrollierst. Wenn du Sender kaufen willst, ist das nicht dieses Produkt, und diese Anleitung hilft dir dabei auch nicht.
Diese Anleitung zeigt dir ein komplettes Emby-Live-TV-Setup mit einem Enigma2-Receiver: Verbindung, Auswahl der Bouquets, Zusammenführen der EPG-Daten, Picons, Jugendschutz-PIN und Receiver-Watchdog.
Voraussetzungen
- Emby Server 4.10.1 oder neuer, mit Emby Premiere für die Live-TV-Funktionen.
- Ein Enigma2-Receiver mit einem aktuellen Image (VTi, OpenATV, OpenPLi und ähnliche) und OpenWebif 1.2.9 oder neuer, erreichbar vom Emby-Server aus. Die in der Dokumentation getestete Kombination ist eine Vu+ Duo 4K mit VTi 15.
- Optional: eine NVIDIA-GPU mit NVENC, wenn du SD-Sender auf dem Server hochskalieren willst.
- Optional: root-SSH-Zugang zum Receiver (ohne Passwort oder mit Key), wenn du den Receiver-Watchdog nutzen willst.
- Eine Headend-Lizenz für deinen Emby-Server. Ohne gültige Lizenz wird das Plugin gestoppt: Automatische Aufgaben laufen nicht, und seine Seiten antworten mit dem Grund. Mach also den Lizenzschritt zuerst.
Schritt 1: Plugin installieren und Lizenz aktivieren
- Melde dich in deinem MediaLab-Works-Konto an, öffne Licenses und lade die Plugin-DLL herunter. Sie ist mit einem aktiven Abo, einer Lifetime-Lizenz innerhalb ihres Update-Zeitraums oder während der kostenlosen 30-Tage-Testphase verfügbar.
- Kopiere die DLL in den Plugins-Ordner von Emby und starte Emby Server neu:
- Linux (Paket):
/var/lib/emby/plugins/ - Docker: der Ordner
pluginsim Emby-Konfigurationsvolume - Windows:
%AppData%\Emby-Server\programdata\plugins\
- Linux (Paket):
- Öffne Emby Dashboard → Plugins, klicke das Plugin an, füge deinen Lizenzschlüssel ein und speichere. Das Plugin kontaktiert den Lizenzserver, bindet den Schlüssel an diesen Emby-Server und zeigt die Lizenz als Active an.
Die Lizenz wird einmal täglich und bei jedem Emby-Start geprüft. Ohne Internet läuft das Plugin noch 7 Tage nach der letzten erfolgreichen Prüfung weiter; danach stoppt es, bis es wieder prüfen kann. Es wird nichts gelöscht, und alles läuft weiter, sobald die Lizenz wieder gültig ist.
Schritt 2: Mit dem Receiver verbinden
Öffne Dashboard → Plugins → Headend. Trage im Bereich Receiver die IP oder den Hostnamen, den OpenWebif-Port (standardmäßig 80) sowie Benutzer und Passwort ein, falls dein OpenWebif eine Authentifizierung nutzt. Klicke auf Test connection.
Schlägt der Test fehl, prüfe vom Emby-Host aus, ob OpenWebif antwortet, zum Beispiel indem du http://receiver/api/getallservices im Browser öffnest. Das ist später auch der erste Troubleshooting-Schritt, wenn keine Sender auftauchen.
Ein Hinweis zu den Zugangsdaten: Ab Version 0.2.9 wird das OpenWebif-Passwort verschlüsselt in secrets.enc.json im Datenordner des Plugins gespeichert (AES-256-GCM mit einem zufälligen, an die Server-ID gebundenen Schlüssel, Dateimodus 600) und nie an den Browser gesendet. Frühere Versionen speichern es im Klartext in der Live-TV-Tuner-Konfiguration – aktualisiere also, wenn du kannst.
Schritt 3: Bouquets auswählen
Wähle im Bereich Bouquets aus, welche Bouquets zu Emby-Sendern werden. Die Sendernummern folgen der Bouquet-Reihenfolge – hier legst du also die Senderreihenfolge fest, die deine Nutzer sehen. Bleib bewusst bei einer Auswahl: Eine kurze, aufgeräumte Liste von Bouquets lässt sich mit der TV-Fernbedienung leichter durchblättern als dein komplettes Receiver-Lineup.
Schritt 4: Programmdaten (EPG)
Das EPG des Receivers ist standardmäßig aktiv, du bekommst also ohne Zusatzaufwand eine Programmliste. Für bessere Abdeckung kannst du externe XMLTV-URLs hinzufügen und Sender per Name oder per Service-Referenz zuordnen. Die Programmdaten werden pro Sender zusammengeführt, sodass sich die Daten des Receivers und deine XMLTV-Quellen ergänzen, statt sich gegenseitig zu überschreiben.
Beachte, was die externe Programmlisten-Option kontaktiert. Bei Neuinstallationen ab Version 0.2.9 ist die externe Programmliste standardmäßig aus und kann in der Erstkonfigurations-Checkliste aktiviert werden; bei Updates bleibt sie wie bisher. Wenn aktiviert, läuft sie täglich um 04:00 mit 2 Sekunden zwischen den Anfragen und kontaktiert www.programetv.ro, www.cinemagia.ro, epgshare01.online und open-epg.com sowie deine eigenen XMLTV-Quellen (standardmäßig aus). Es werden nur Programmseiten und -dateien angefragt; es werden keine Nutzerdaten gesendet. Programmbilder werden dem Server als externe URLs übergeben, und der Server kann sie herunterladen.
Schritt 5: Picons (Senderlogos)
Im Bereich Picons kannst du die Picons verwenden, die bereits auf deinem Receiver liegen, oder das Plugin auf einen lokalen Picon-Ordner zeigen lassen. Das ist schon alles: Das Plugin lädt selbst keine Picon-Pakete herunter, und Logos von einem Link werden nur auf eine Admin-Aktion hin geladen, mit einem Limit von 10 MB.
Schritt 6: Optionales NVENC-Upscaling
Hat dein Server eine NVIDIA-GPU mit NVENC, kannst du Upscaling aktivieren, die Zielauflösung wählen und eine maximale Anzahl gleichzeitiger Streams festlegen. Damit werden SD-Sender auf dem Server hochskaliert, bevor sie die Clients erreichen. Ruckelt die Wiedergabe danach, senke die Zielauflösung oder schalte Upscaling aus und prüfe das Netzwerk zwischen Receiver und Server.
Schritt 7: Adult-Sender und der PIN
Markiere die Sender, die hinter den Jugendschutz sollen, und lege einen PIN fest. Gespeichert wird nur ein PBKDF2-SHA256-Hash des PINs (200.000 Iterationen, gesalzen). Ab Version 0.2.10 müssen neue PINs mindestens 6 Ziffern haben (ein bestehender PIN funktioniert weiter), und Fehlversuche werden mit wachsenden Sperrzeiten begrenzt, die einen Neustart überstehen. In den Apps wird der PIN pro Konto über den Browser unter /Headend/Unlock freigeschaltet.
Schritt 8: Der Receiver-Watchdog (optional)
Ein eingefrorener Receiver bedeutet einen toten Live-TV-Stream. Der Watchdog ist optional und bei Neuinstallationen ab Version 0.2.9 aus (bei Updates bleibt er wie bisher). Wenn aktiviert, legst du das Prüfintervall und die Aktion fest: enigma2 neu starten oder den Receiver aus dem Standby wecken.
Er arbeitet über SSH zum Receiver und braucht daher root-SSH ohne Passwort oder mit Key. Er führt alle 3 Minuten einen TCP/HTTP-Check aus; nach 2 Fehlschlägen sendet er den Neustartbefehl über ssh (Standardbenutzer root, optionaler Key), startet danach neu und sammelt vor dem Neustart Diagnosedaten über SSH. Außerdem kümmert er sich um Standby nach 10 Minuten Leerlauf und einen nächtlichen Sendersuchlauf zwischen 02:00 und 06:00. Ab Version 0.2.9 wird der SSH-Hostkey verifiziert (Trust on First Use): Er wird beim ersten Verbindungsaufbau in ssh/known_hosts im Datenordner gespeichert, und ändert er sich, wird der Befehl nicht gesendet und eine klare Meldung angezeigt. Den gespeicherten Fingerprint kannst du auf der Seite ansehen und verwerfen.
Schritt 9: Tuner in Emby hinzufügen und Programmliste aktualisieren
Gehe zu Live TV → Settings → Tuner devices. Dort erscheint Headend als Tuner. Füge ihn hinzu und aktualisiere anschließend die Programmliste.
Alltag und Grenzen
Sender und Programmliste erscheinen unter Live TV, und Aufnahmen funktionieren wie mit jedem Emby-Tuner. Behalte die Tuner-Rechnung im Kopf: Ein Tuner am Receiver trägt jeweils einen Sender, wobei sich Sender auf demselben Transponder einen Tuner teilen können. Plane deine gleichzeitigen Aufnahmen entsprechend.
Die Client-Unterstützung läuft über das Live TV des Servers, daher sollten Sender, Programmliste, Streams, die Sperre von Adult-Sendern und Audio-/Untertitel-Einstellungen in jeder App mit Live TV funktionieren. Emby Web ist mit einer Vu+ Duo 4K (VTi, OpenWebif) durchgängig verifiziert, mit einer Kaltstartzeit von 4,4–5,7 s. Native Apps und TV-Browser sind nicht getestet. Die Admin-Seite, die Seite "TV" und die Seite "Adult channels" gibt es nur im Browser.
Tipps und Fehlerbehebung
- Keine Sender: Prüfe, ob OpenWebif vom Emby-Host aus erreichbar ist (
http://receiver/api/getallservices), und kontrolliere danach Adresse und Port des Receivers im Plugin erneut. - Keine Programmdaten: Stelle sicher, dass das Receiver-EPG aktiv ist, füge dann XMLTV-URLs hinzu und prüfe die Senderzuordnung per Name oder Service-Referenz. Denk daran, dass die externe Programmliste bei Neuinstallationen standardmäßig aus ist.
- Ruckeln: Senke das Upscaling-Ziel oder deaktiviere Upscaling und prüfe den Netzwerkpfad zwischen Receiver und Server.
- Receiver friert ein: Aktiviere den Watchdog, damit enigma2 neu gestartet wird, wenn Streams nicht mehr antworten.
- Tuner belegt: Ein anderer Sender nutzt den Tuner bereits. Warte, bis er fertig ist, oder nimm vom selben Transponder auf.
- Datenschutz: Clients sehen die Receiver-Adresse nie; die Streams laufen über den Server. Deine eigenen M3U-Listen sind optional, und Internet-Sender (iptv-org) sind bei Neuinstallationen ab Version 0.2.9 aus.
Fazit
Mit Headend nutzt du den Receiver, den du bereits besitzt, weiter als legalen Tuner für Emby Live TV – mit deinen Bouquets, einer zusammengeführten Programmliste, Picons und einem Watchdog, der dir den Weg zum Dachboden erspart. Starte mit der Produktseite, folge der Bedienungsanleitung für die genauen Felder und halte das Changelog beim Upgrade bereit. Wenn etwas nicht passt, sind die Wissensdatenbank und die FAQ der nächste Anlaufpunkt, und du kannst uns jederzeit kontaktieren.